Nistkasten für Meisen selber bauen: Anleitung für Heimwerker

Ein Nistkasten für Meisen ist eines der sinnvollsten Holzprojekte überhaupt: Du schaffst dringend benötigten Brutraum für Kohlmeisen, Blaumeisen und andere Höhlenbrüter. Gleichzeitig ist es ein einfaches Projekt, das auch mit Kindern gemeinsam gebaut werden kann. Unsere Bauanleitung folgt den Empfehlungen des NABU und liefert bewährte Maße für Meisen.

Dieses Projekt ist Teil unserer 20 Ideen aus Holz für Einsteiger bis Profi.

Das richtige Einflugloch

Die Größe des Einfluglochs bestimmt, welche Vögel den Kasten nutzen:

📌 ∅ 26–28 mm: Blaumeise, Tannenmeise, Haubenmeise

📌 ∅ 32 mm: Kohlmeise, Kleiber, Trauerschnäpper

📌 ∅ 45 mm: Star

Für einen klassischen Meisenkasten empfehlen wir ∅ 32 mm – das passt für Kohl- und Blaumeisen und ist zu klein für Spatzen.

Material und Werkzeug

Materialliste

  • 1 Brett aus unbehandeltem Fichtenholz, Stärke 18–20 mm, ca. 130 × 20 cm (ergibt alle Teile)
  • Edelstahl-Nägel oder -Schrauben 3 × 40 mm (ca. 20 Stück)
  • 1 Scharnier oder Lederstreifen (für die Reinigungsklappe)
  • 1 Haken oder Drehverschluss (Klappe sichern)
  • Optional: Leinöl für den Außenanstrich (kein Lack, keine Lasur!)

Einzelteile und Maße

📌 Rückwand: 280 × 200 mm (oben 30 mm Überstand als Regenschutz)

📌 Vorderwand: 250 × 200 mm (mit Einflugloch ∅ 32 mm, Lochmitte 200 mm von der Unterkante)

📌 Boden: 140 × 120 mm (kleiner als Innenraum, mit 2 Drainagelöchern ∅ 5 mm)

📌 2 Seitenwände: 250 × 140 mm (Rückseite 280 mm, Vorderseite 250 mm → schräg für Dachneigung)

📌 Dach: 220 × 200 mm (übersteht vorne und seitlich als Wetterschutz)

Werkzeug

  • Handkreissäge oder Handsäge
  • Akkuschrauber mit Lochsäge ∅ 32 mm oder Forstnerbohrer
  • Hammer (falls Nägel verwendet werden)
  • Schleifpapier 80er (nur für das Einflugloch)
  • Bleistift, Maßband

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Alle Teile zusägen

Säge alle sechs Teile aus dem Brett. Die Seitenwände bekommen an der Oberkante eine Schräge: Rückseite 280 mm, Vorderseite 250 mm. Diese Neigung sorgt dafür, dass Regenwasser vom Dach nach vorne abläuft.

Schritt 2: Einflugloch bohren

Bohre das Einflugloch in die Vorderwand. Die Mitte des Lochs liegt ca. 200 mm von der Unterkante – hoch genug, damit Katzen nicht hineinlangen können. Verwende eine 32-mm-Lochsäge oder einen Forstnerbohrer.

Wichtig: Die Innenseite des Lochs nicht glatt schleifen – die raue Oberfläche hilft den Jungvögeln beim Herausklettern. Die Außenseite darf geglättet werden.

Schritt 3: Drainagelöcher im Boden

Bohre 2–3 Löcher (∅ 5 mm) in den Boden. Falls Regenwasser eindringt, kann es so ablaufen und das Nest bleibt trocken.

Schritt 4: Zusammenbau

Nagele oder verschraube die Teile in dieser Reihenfolge:

  1. Rückwand + Seitenwände verbinden
  2. Boden einsetzen (ca. 20 mm von der Unterkante, so entsteht eine Belüftung)
  3. Vorderwand anschrauben – als Reinigungsklappe nur oben mit einem Scharnier befestigen und unten mit einem Drehverschluss sichern
  4. Dach aufsetzen und verschrauben (mit Überstand nach vorne)

Alle Fugen dürfen leicht undicht sein – das sorgt für Belüftung. Verwende keinen Leim im Innenraum (Ausdünstungen schaden den Vögeln).

Schritt 5: Aufhängung

Befestige den Kasten mit einem Alunagel oder einer Schraube durch die Rückwand an einem Baum oder an der Hauswand. Optimale Höhe: 2–3 Meter. Das Einflugloch sollte nach Osten oder Südosten zeigen (weg von der Wetterseite). Nicht in die pralle Mittagssonne hängen.

Häufige Fehler

📌 Behandeltes Holz verwenden: Lacke, Lasuren und Holzschutzmittel dünsten im Sommer giftige Substanzen aus. Nur unbehandeltes oder mit Leinöl gestrichenes Holz verwenden.

📌 Einflugloch zu groß: Bei ∅ 35 mm+ kommen Spatzen und Stare herein und verdrängen die Meisen. Für Meisen exakt 32 mm bohren.

📌 Keine Reinigungsklappe: Im Herbst muss das alte Nest entfernt werden (Parasiten!). Ohne klappbare Wand ist das unmöglich.

📌 Sitzstange vor dem Einflugloch: Entgegen der Intuition helfen Sitzstangen nicht – sie machen es Räubern (Katzen, Marder) leichter, das Nest zu plündern. Keine Stange montieren!

📌 Zu niedrig aufhängen: Unter 2 Metern Höhe sind die Vögel nicht vor Katzen geschützt. Mindestens 2,5 Meter empfohlen.

Profi-Tipps

📌 Katzenschutz: Bringe unter dem Kasten einen Metallkragen (∅ 50 cm) um den Baumstamm an. Katzen können den glatten Ring nicht überwinden.

📌 Reinigung im September: Öffne die Klappe im September/Oktober, entferne das alte Nest und bürste den Kasten aus. Kein Wasser, keine Reinigungsmittel.

📌 Mehrere Kästen aufhängen: Meisen brauchen Reviere – hänge Kästen mit mindestens 10 Metern Abstand auf. Verschiedene Lochgrößen an verschiedenen Bäumen locken unterschiedliche Arten an.

📌 Dachpappe auflegen: Tackere ein Stück Dachpappe auf das Holzdach – das verlängert die Lebensdauer des Kastens erheblich.

📌 Kamera einbauen: Für Naturbeobachter: Setze eine kleine WLAN-Kamera ins Innere (mit Infrarot-LED). So kannst du den Brutvorgang live verfolgen.

Fazit

Ein Nistkasten für Meisen ist ein einfaches, sinnvolles Projekt mit echtem Naturschutz-Beitrag. Perfekt als Familienprojekt und ein tolles Geschenk. Beobachte im Frühling, wie die Meisen einziehen – das ist der schönste Lohn für deine Arbeit. Weitere Holzprojekte findest du in unseren 20 Ideen aus Holz.

robert
robert