CAD, CAM und Steuerung: Die drei Säulen der CNC-Software
Für CNC-Fräsen in Holz brauchen Sie drei Softwaretypen: ein CAD-Programm zum Entwerfen, ein CAM-Programm zum Erstellen der Fräsbahnen und eine Steuerungssoftware zum Senden des G-Codes an die Maschine. Manche Programme vereinen zwei oder alle drei Funktionen. Dieser Vergleich stellt die wichtigsten CNC-Programme für Holzbearbeitung vor – von kostenlos bis professionell.
CAD-Software: Ihr Design erstellen
Fusion 360 (Autodesk) – Der Allrounder
Preis: Kostenlos für Privatanwender (Personal Use), kommerzielle Lizenz ab 545 €/Jahr
Fusion 360 ist das meistgenutzte CAD/CAM-Programm in der Hobby-CNC-Szene – und das aus gutem Grund. Die Software deckt alles ab: parametrische 3D-Modellierung, 2D-Zeichnungen, integriertes CAM mit 2D- bis 3+2-Achsen-Fräsen, Simulation und sogar Rendering. Die kostenlose Personal-Use-Lizenz ist seit 2024 eingeschränkt (z. B. maximal 10 aktive Dokumente), reicht aber für Hobby-Projekte.
Stärken: Vollständiger Workflow in einem Programm, riesige Community, tausende Tutorials. Schwächen: Steile Lernkurve (rechnen Sie mit 2–4 Wochen Einarbeitung), Cloud-basiert (Internetpflicht), kann bei großen Projekten langsam werden.
FreeCAD – Open Source für Tüftler
Preis: Kostenlos (Open Source)
FreeCAD ist die leistungsstärkste kostenlose Alternative zu Fusion 360. Version 1.0 (erschienen 2024) hat viele frühere Stabilitätsprobleme behoben. Das Path-Modul erzeugt CNC-Toolpaths, die Bedienung ist allerdings weniger intuitiv als bei kommerziellen Programmen.
Stärken: Komplett kostenlos, offline nutzbar, parametrisch, keine Einschränkungen. Schwächen: Uneinheitliche Benutzeroberfläche, weniger Tutorials, steile Lernkurve.
SketchUp – Einfach, aber begrenzt
Preis: Kostenlose Webversion, SketchUp Pro ab 312 €/Jahr
SketchUp ist intuitiv und ideal für einfache 3D-Entwürfe. Für CNC-Fräsen ist es allein nicht geeignet – es fehlt die CAM-Funktionalität. Sie können Designs als STL oder DXF exportieren und dann in einem separaten CAM-Programm weiterverarbeiten. Für schnelle Entwürfe von Möbelteilen und Gehäusen ist SketchUp dennoch praktisch.
Inkscape – Der 2D-Spezialist
Preis: Kostenlos (Open Source)
Für Schilder, Logos, Schriftzüge und Vektorgrafiken ist Inkscape die erste Wahl. Die SVG-Dateien lassen sich direkt in Estlcam, VCarve oder Carbide Create importieren. Kein 3D, aber für 2D-Projekte unschlagbar – und die Lernkurve ist minimal.
CAM-Software: Vom Design zum G-Code
Estlcam – Der deutsche Favorit
Preis: 59 € (einmalig, inkl. Updates)
Estlcam ist unter deutschen Hobby-Fräsern die meistgenutzte CAM-Software. Entwickelt von Christian Knüll, einem einzelnen Entwickler, der das Programm seit Jahren kontinuierlich verbessert. Estlcam importiert DXF und STL, erzeugt 2D- und 2.5D-Fräsbahnen und dient gleichzeitig als Maschinensteuerung (mit eigenem Arduino-Controller).
Stärken: Extrem günstiger Einmalpreis, deutsche Oberfläche, einfach zu bedienen, integrierte Steuerung. Schwächen: Kein echtes 3D-Fräsen (nur 2.5D), kein V-Carving-Modus (kommt über Umwege), Simulationsansicht eingeschränkt.
VCarve Desktop / VCarve Pro (Vectric)
Preis: VCarve Desktop 395 € / VCarve Pro 735 € (jeweils einmalig)
VCarve ist der Goldstandard für V-Carving, Schilder und dekorative Holzbearbeitung. Die Software bietet integriertes 2D-CAD, leistungsstarkes CAM mit 2D, 2.5D, V-Carving und Textur-Toolpaths sowie eine hervorragende 3D-Vorschau. VCarve Pro unterscheidet sich von Desktop durch unbegrenzte Arbeitsfläche und Kachel-Fräsen für große Projekte.
Stärken: Intuitive Bedienung, V-Carving-Weltklasse, Gadgets für Sonderfunktionen, riesige Clipart-Bibliothek. Schwächen: Hoher Preis, kein parametrisches Modellieren, kein echtes 3D-CAD.
Carbide Create / Carbide Create Pro
Preis: Kostenlos / Pro 120 $ (einmalig)
Carbide Create stammt vom Shapeoko-Hersteller Carbide3D, funktioniert aber mit jeder GRBL-Maschine. Die Basisversion bietet 2D-CAD und einfaches CAM. Die Pro-Version fügt 3D-Modellierung und erweiterte Toolpaths hinzu. Ideal für Einsteiger, die kein Geld für VCarve ausgeben möchten.
Stärken: Kostenloser Einstieg, einfache Oberfläche, regelmäßige Updates. Schwächen: Eingeschränkter DXF-Import, weniger Funktionen als VCarve, kleinere Community im DACH-Raum.
Fusion 360 CAM
Fusion 360 enthält ein vollwertiges CAM-Modul, das von einfachem 2D-Fräsen bis zu 3+2-Achsen alles abdeckt. Die adaptive Frässtrategie (Adaptive Clearing) erzeugt effiziente Werkzeugwege, die Material und Fräser schonen. Für Anwender, die bereits in Fusion 360 konstruieren, entfällt der Export in ein separates CAM-Programm.
Steuerungssoftware: G-Code an die Maschine senden
GRBL + Sender (Candle, UGS, bCNC)
Preis: Kostenlos (Open Source)
GRBL ist eine Open-Source-Firmware für Arduino-basierte CNC-Steuerungen. Sie benötigen einen G-Code-Sender auf dem PC: Candle ist schlanker und schnell, UGS (Universal G-Code Sender) bietet mehr Funktionen (Makros, Visualisierung), bCNC enthält zusätzlich einen einfachen CAM-Modus.
Mach3 / Mach4
Preis: Mach3 ca. 175 $ / Mach4 ca. 200 $
Mach3 ist der Veteranfür Windows-basierte CNC-Steuerungen über die Parallelschnittstelle. Mach4 ist der moderne Nachfolger mit Plugin-System und USB-Unterstützung. Beide Programme werden eher bei größeren Hobby- und semiprofessionellen Maschinen eingesetzt.
LinuxCNC
Preis: Kostenlos (Open Source)
LinuxCNC (ehemals EMC2) ist eine vollwertige CNC-Steuerung auf Linux-Basis. Extrem konfigurierbar und leistungsstark, aber die Einrichtung erfordert Linux-Kenntnisse. Für Bastler mit technischem Hintergrund eine hervorragende Wahl.
Software-Vergleich auf einen Blick
| Software | Typ | Preis | 2D | 2.5D | 3D | V-Carve | Anfängertauglich |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Estlcam | CAM + Steuerung | 59 € | ✅ | ✅ | ❌ | ⚠️ | ✅ |
| VCarve Desktop | CAD + CAM | 395 € | ✅ | ✅ | ⚠️ | ✅ | ✅ |
| Carbide Create | CAD + CAM | Kostenlos | ✅ | ✅ | ❌ | ❌ | ✅ |
| Carbide Create Pro | CAD + CAM | 120 $ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Fusion 360 | CAD + CAM | Kostenlos* | ✅ | ✅ | ✅ | ❌ | ⚠️ |
| FreeCAD + Path | CAD + CAM | Kostenlos | ✅ | ✅ | ✅ | ❌ | ❌ |
| Inkscape | CAD (2D) | Kostenlos | ✅ | ❌ | ❌ | ❌ | ✅ |
📱 Auf Mobilgeräten nach links/rechts wischen
* Kostenlos für Privatanwender mit Einschränkungen
Welche Software passt zu Ihnen?
Szenario 1: Einsteiger mit kleinem Budget
Empfehlung: Inkscape + Estlcam (59 €)
Deckt 2D-Projekte komplett ab, Estlcam liefert auch die Maschinensteuerung. In den ersten Monaten brauchen Sie nichts anderes.
Szenario 2: Schilder und dekorative Arbeiten
Empfehlung: VCarve Desktop (395 €)
Kein anderes Programm macht V-Carving so einfach und so schön. Die integrierte Clipart-Bibliothek liefert hunderte sofort nutzbare 3D-Modelle für Schilder.
Szenario 3: Technisch versiert, will alles selbst machen
Empfehlung: Fusion 360 (kostenlos) + UGS
Maximale Kontrolle über jeden Parameter, parametrisches Design, professionelles CAM. Dafür deutlich mehr Einarbeitungszeit.
Szenario 4: 3D-Reliefs und Kunstprojekte
Empfehlung: VCarve Pro (735 €) oder Carveco Maker (ab 180 €/Jahr)
Beide Programme bieten 3D-Modellierung speziell für CNC-Fräsen, Relief-Kombinationen und Textur-Toolpaths.
Welche CNC-Maschine zu welcher Software passt, erfahren Sie in Unsere Top 7 CNC Fräsen für Holz im Vergleich.
Tipps für den Software-Einstieg
Starten Sie mit einem Programm. Nicht drei gleichzeitig installieren und zwischen Tutorials springen. Wählen Sie eine CAD/CAM-Kombination und bleiben Sie 3 Monate dabei, bevor Sie wechseln.
Nutzen Sie die eingebauten Tutorials. Estlcam, VCarve und Carbide Create haben ausgezeichnete Einführungs-Tutorials direkt im Programm oder auf der Hersteller-Website.
Simulieren Sie vor dem Fräsen. Jedes gute CAM-Programm bietet eine Fräs-Simulation. Nutzen Sie diese – ein Fehler in der Simulation kostet nichts, ein Fehler an der Maschine kostet Material und Fräser.
Einen strukturierten Lernpfad für die Software-Einarbeitung finden Sie in unserem Artikel CNC Fräsen lernen.
Lizenzmodelle und Folgekosten realistisch bewerten
Beim Softwarekauf zählt nicht nur der Einstiegspreis. Entscheidend sind Folgekosten durch Upgrades, Wartungsverträge oder Wechsel auf Abo-Modelle. Einmalzahlungen wie Estlcam oder VCarve sind auf den ersten Blick höher, können über drei Jahre aber günstiger sein als monatliche Abos.
Prüfen Sie vor dem Kauf drei Punkte: Erstens, wie lange erhalten Sie Updates? Zweitens, sind Postprozessoren für Ihre Maschine vorhanden? Drittens, lassen sich Projekte ohne Internetverbindung öffnen und bearbeiten? Gerade in Werkstätten mit instabiler Verbindung ist Offline-Fähigkeit ein echter Produktivitätsfaktor.
Für semiprofessionelle Anwender lohnt ein zweistufiges Setup: Estlcam für schnelle Alltagsjobs und Fusion 360 für komplexe Projekte mit parametrischer Konstruktion. So nutzen Sie die Stärken beider Welten und vermeiden unnötige Zeitverluste durch „One-Tool-fits-all“-Kompromisse.
Wenn Sie die passende Maschine zur Software suchen, vergleichen Sie zusätzlich Controller-Kompatibilität und verfügbare Postprozessoren in Unsere Top 7 CNC Fräsen für Holz im Vergleich. Software und Maschine sollten immer als Gesamtsystem betrachtet werden.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Welche kostenlose CNC Software ist die beste?
Für 2D-Projekte: Inkscape (CAD) + Carbide Create (CAM). Für den kompletten Workflow inkl. 3D: Fusion 360 mit integriertem CAM. Estlcam kostet zwar 59 €, ist aber so günstig, dass es praktisch in die „fast kostenlos”-Kategorie fällt.
Welche Software brauche ich für eine CNC Fräse?
Mindestens ein CAM-Programm (erzeugt G-Code aus Ihrem Design) und eine Steuerungssoftware (sendet G-Code an die Maschine). Ein CAD-Programm zum Entwerfen ist empfehlenswert, aber Sie können auch fertige CNC Vorlagen nutzen.
Ist Estlcam besser als VCarve?
Für grundlegende 2D-/2.5D-Fräsarbeiten ja – Estlcam ist einfacher und deutlich günstiger. Für V-Carving und dekorative Arbeiten ist VCarve überlegen. Viele Anwender nutzen Estlcam für Alltagsprojekte und VCarve für Schilder.
Funktioniert Fusion 360 offline?
Eingeschränkt. Die Software benötigt regelmäßig eine Internetverbindung zur Lizenzprüfung. Im Offline-Modus können Sie temporär weiterarbeiten, aber nicht unbegrenzt.
Welche Software empfiehlt sich für Anfänger?
Estlcam. Die Software ist auf Deutsch, hat eine klare Oberfläche und vereint CAM und Maschinensteuerung. Die meisten deutschen CNC-Foren empfehlen Estlcam als Einstieg – und viele Profis nutzen es auch nach Jahren noch parallel zu anderen Programmen.
Praxis-Tipp: Legen Sie für jede Maschine ein Setup-Blatt mit Ihren bewährten Einstellungen an. Notieren Sie Fräsertyp, Material, Vorschub und Zustellung. Diese Dokumentation spart Zeit, reduziert Ausschuss und sorgt dafür, dass wiederkehrende Projekte jederzeit reproduzierbar bleiben.
Fazit
Die Software-Auswahl hängt von Ihren Projekten und Ihrem Budget ab. Mit Estlcam für 59 € und Inkscape als kostenlosem CAD-Programm starten Sie sofort – ohne Abo, ohne versteckte Kosten. Wer in Richtung V-Carving und dekorative Holzbearbeitung gehen möchte, investiert in VCarve. Und Fusion 360 bleibt die Referenz für parametrisches Design und anspruchsvolles 3D-CAM. Probieren Sie die kostenlosen Optionen zuerst aus – upgraden können Sie jederzeit. Passende Maschinen zu Ihrer Software finden Sie in Unsere Top 7 CNC Fräsen für Holz im Vergleich.
